Jan Montags Lyrik

Eine Sammlung poetischer Texte von Jan Montag.

Februare sind nichts für Schwächlinge

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Ich sitz' im kalten Niesel des Februars und hör' dem geschäftigen Treiben der Regentropfen auf meiner Kleidung zu. Das beständige Klopfen dringt sogar unter meine Kopfhörer, die vom Ende einer Zeit künden - oder vielmehr die Protagonisten des Songs, der gerade läuft. Die Ampel spiegelt sich im kalten Schwarz der Straßenpfützen und meine Seele rinnt neben dem schimmernden Benzin geradewegs in die Kanalisation. Abwärts.

Wie der Himmel so in die Erde stürzt, alles irdische wegspült und gar keinen anderen Raum für Interpretation denn der gerade erlebten Dystopie lässt, beginnt (mein) der Kreislauf sich zu drehen. Und mit ihm ich. Ich mich mit ihm.

Ich trete vor, ohne Ziel, ohne Drang, nur getrieben von der sanften Gewalt des Regens. Dem Rhythmus. Mein Atem steigt als Nebel auf, kämpft gegen die Schwere der Tropfen – kaum dass er existiert. Vergänglichkeit in Echtzeit.

Die Stadt lebt nicht – sie ist fremd. Autos fahren nicht, aber ihre Scheinwerfer schneiden durch Grau. Köpfe gesenkt, Gesichter hinter Schals und Kapuzen. Vielleicht sind sie längst verschwunden, vielleicht waren sie nie da.

Eine Ampel lässt mich sinnlos stehen - doch warum? In diesem Nichts, das alles ist. Mein Blick taucht in die spiegelnde Pfütze zu meinen Füßen. Mein Bild verzerrt wie durch ein Megafon, durch jeden Tropfen, bricht in kleine Wellen, ich erkenne mich nicht. Ich spüre die kalte Wucht der Vergänglichkeit. Den dunklen Nimbus der Schwere.

fragment, lyrik, kurzgeschichten


[Lyrik] Sie ist ihre eigenen Jahreszeiten

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S: Weißt du, sie entschied selbst, einfach Februar, Juni oder sogar September zu sein.

I: Manchmal war sie ein leiser November, dann wieder ein strahlender Mai – immer gerade so, wie ihr Herz es flüsterte.

S: Ja, sie hört auf ihr Herz, sie ist ihre eigenen Jahreszeiten, so ist sie.


Manchmal war sie ein leiser November, dann wieder ein strahlender Mai – immer gerade so, wie ihr Herz es flüsterte.

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Als er Iren sah

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Als er Iren sah hatte er Tränen in den Augen; er konnte nicht verstehen warum seine Talking Heads nur auf Platz 100 der Top 100 [1] größten Musiker aller Zeiten waren - und wer hatte eigentlich angefangen den Sand in kleine Körner zu zerlegen? Die Krabben waren es jedenfalls nicht.


  1. Die vollständige Liste finden sie hier. ↩︎

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Disintegration

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„Lass uns The Cure sein, zusammen, und ein bisschen Disintegration“ sagte er ihr - und sie dachte: „wie schön wir uns auflösen“

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Profan

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"Hallo"

blinzelte die Krabbe durch den Sand. Mit einer - wie ein damenhafter Hut schief sitzenden - Muschelschale auf dem Kopf. Keck.

Für den Mond in mir. Und die Sterne

in ihr. Aber nicht profan.

natur, lyrik, fragment