Jan Montags Lyrik

Eine Sammlung poetischer Texte von Jan Montag.

Tag: fragment

Februare sind nichts für Schwächlinge

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Ich sitz' im kalten Niesel des Februars und hör' dem geschäftigen Treiben der Regentropfen auf meiner Kleidung zu. Das beständige Klopfen dringt sogar unter meine Kopfhörer, die vom Ende einer Zeit künden - oder vielmehr die Protagonisten des Songs, der gerade läuft. Die Ampel spiegelt sich im kalten Schwarz der Straßenpfützen und meine Seele rinnt neben dem schimmernden Benzin geradewegs in die Kanalisation. Abwärts.

Wie der Himmel so in die Erde stürzt, alles irdische wegspült und gar keinen anderen Raum für Interpretation denn der gerade erlebten Dystopie lässt, beginnt (mein) der Kreislauf sich zu drehen. Und mit ihm ich. Ich mich mit ihm.

Ich trete vor, ohne Ziel, ohne Drang, nur getrieben von der sanften Gewalt des Regens. Dem Rhythmus. Mein Atem steigt als Nebel auf, kämpft gegen die Schwere der Tropfen – kaum dass er existiert. Vergänglichkeit in Echtzeit.

Die Stadt lebt nicht – sie ist fremd. Autos fahren nicht, aber ihre Scheinwerfer schneiden durch Grau. Köpfe gesenkt, Gesichter hinter Schals und Kapuzen. Vielleicht sind sie längst verschwunden, vielleicht waren sie nie da.

Eine Ampel lässt mich sinnlos stehen - doch warum? In diesem Nichts, das alles ist. Mein Blick taucht in die spiegelnde Pfütze zu meinen Füßen. Mein Bild verzerrt wie durch ein Megafon, durch jeden Tropfen, bricht in kleine Wellen, ich erkenne mich nicht. Ich spüre die kalte Wucht der Vergänglichkeit. Den dunklen Nimbus der Schwere.

fragment, lyrik, kurzgeschichten


Profan

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"Hallo"

blinzelte die Krabbe durch den Sand. Mit einer - wie ein damenhafter Hut schief sitzenden - Muschelschale auf dem Kopf. Keck.

Für den Mond in mir. Und die Sterne

in ihr. Aber nicht profan.

natur, lyrik, fragment


Weniger Sorgen (.prosa)

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Schon Drei Uhr morgens langweilte ihn der Gedanke an den kommenden Tag. Die kommende Woche. Sein kommendes Leben. Er könnte auch einfach nur auf dem Teppichboden sitzen und an früher denken. Oder an eine Zeit, in der er noch gar nicht existierte, die aber aufgrund der Melancholie in ihm seltsam besondere Gefühle auslöst.

Manchmal sitzt er lang dort auf dem Schemel und betrachtet Fotos von Menschen aus vergangenen Zeiten, aus Filmen, oder Zeitschriften. Ein schwarz-weiß-Bild zum Beispiel von 1981 und er fragt sich, was die Person in jenem Moment vor so vielen Jahren gedacht haben könnte. Was ihre Beweggründe waren. Ihre Dämonen. Was sie vielleicht nicht hat schlafen lassen. Oder was sie glücklich machte. Ob da jemand wartet wenn sie diese graue Häuserschlucht zu Ende gegangen ist. Und was sie von der Zukunft erwartet.

Eine Zukunft, die längst schon wieder vorüber ist und heute als Vergangenheit zählt. Er konnte sich in solchen Gedanken regelmäßig verlieren und doch zu keinem Ergebnis gelangen. Wie auch? Jede Antwort war verloren, in der Zeit die seitdem vergangen war.

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